Zions--Bote. (Medford, Okla.), Vol. 22, No. 50, Ed. 1 Wednesday, December 19, 1906 Page: 6 of 8
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f>«r Winter.
((8 fniftrrl btr 0d)iiff mir }u ,'viifteu,
Tie Sonne so machtlos orrfinft,
?rr «Sinter läßt freunbliA imo grüßen,
l‘om gelbe uiib «Salbe tr rointt.
Ter Weif, rr verschleiert bie »Bäume,
<*ir flläiijen im silbernen 0d)tin,
Ta« l'eben erscheint mir mir Träume,
Silo mag n>ol)l ber Sommer nun fein ?
iKid(> baucht e«, alo seh id; bir Wabe
?er längs» schon verflossenen Jeit,
löo mid) einst im höherem <"rabe
Tie ®lüte beb Senje« erfreut.
tf« f(bauten ba liebeube bliese
IWit mir jene bliiheube ©rad)t,
iöelch’ fingen uiib Jubeln im («lüde,
<*d mar mir ber griibling eriuadß.
Tie 2i»elt, ja bie weite, mar Siebe—
lachte und grühliug unb («liid;
Ta rourbe eö rointerlid) trübe,
tv8 fehrte mein Senj nie guriief.
Wein Siebling ist feitbem ber «Sinter,
^r ist mir so flille unb tot, —
(*r hüQet in liidber viel linber
Ta« sehen unb aU’ feine Wot.
Erstarrt ist mir längst fdjon im Jnneru
Ta« -gierje burdjbringenbe Seib,
Tod) bleibt mir ein stille« Erinnern
*n jene oerfd>munbene .Seit.
9a* ewige Cid?t.
mar am Tage oor »ESeihnachten.
©Parser groft hatte bie <5rbe in feine
33anbe gefcf)Iagen; biefe Sdmccmolfen
uerbunfellen ba« Soitnenlid;», so baß
nur hi« unb mieber ein fahler, gelblicher
©chein heroorbrach, um gleich lieber
Don iiod; bunf leren ©Bolfen verbeeft ju
roerben unb bann einer frühen Xämtner.
ftunbe ©laß ju machen.
(5in blasser junger Wann ging mit
müben Stritten auf ber Sonbftraße,
ber Äatnpf mit bem heftigen ilßinb ronr.
be ihm ersichtlich schwer, unb boch hatten
feine Schritte eine regelmäßige geftig.
feit, bie ein Siel erlernten liegen, unb
fein planlose« ©Banbern.
Bwci Dörfer hatte er schon buvd).
fchritten, ohne Ifinfehr ju halten, so
»erlocfenb auch bie einlabenben JBirt«;
hauöfchilber ihm ja toinfen schienen, ja,
er beschleunigte tatsächlich in ihrer Seal;
feine Schritte.
(*in bumpfes ©raufen »erriet bie
SWähe be« ©teere«. Als bie Sanbftraße
bi« ju einem ©unft gefommen mar, mo
e« beutlicher ol« bisher an fein Ol)t
schlug, ftanb er still, lehnte sich an einen
33aum unb schlug beibe #änbc oor fein
©eficht.
„3ettt fommt e« gleich," murmelte er,
„noch eine »Biegung be« iffiege«!"
@r schien .strafte sammeln ju muffen,
biefem „e«" $u begegnen.
(Snblich ging er weiter, jögernben
gufee«, eine Heine Anhoffe hinauf.
i>a tauchte in ber Abenbbäntmerung
plbhlich, unuermittelt, ein helle« Sicht
oor ihm auf, ba« Sicht be« Seuehtturnte«,
ba« Sidjl feine« ©aterhaufe«.
3«&t warf er steh «uf bie @rbe, be«
hartgefrorenen ©oben«, be« hculenben
©Hübe« nicht achtenb, erhob bett fiopf
unb sah unuermanbt in ba« weithin
fcheinenbe Sicht, ben Schiffern meilen.
»eil ein Wegweiser unb ein Tarnung«;
leiten.
v'ttim war e« oon Äinbheit an beibe«
gewesen. Au mandiem ©Binlerabenb,
wenn er bort oben bei ben Satnpen mit
feinem frommen ©ater, bem Seuchtturnt
Wächter, gesessen, hatte ber ihm oon ber
©ebeutung biefe« unb eines harren
Sichle« erjählt; biefe«, bao ben Schiffern
ih«n ©Jeg jeigt, jene«, bad ber ©Seg;
ivcifer für alle ©lenfdien ist.
2lnfcheinenb fiel biefer Same auf gu;
ten ©oben, jebod; er hatte reine ©Burjel
geschlagen, gern oom (Sltemhau« war
ajles oerweht; Seichtfinn, ©egehrlichreit,
©chulb — hiejt bie traurige Stufenlett
ter, unb je9t trugen ihn feine müben
giijje au« bem .Suchthau«, in welchem er
>rei Jal;re feine« jungen Sehen« $uge=
Gräcist. Xrei Jahre! o, wie ihm biefe«
entfehliche ©Bort Tag unb ©acht in ben
Ohren geflungen hatte! Otto »Hörner
hatte jähnefmrfchenb ba« ©itter feines
gen|ter« gepaeft unb oergeblich gerüttelt;
— sie waren fdjulb, bie il;n erst ocr=
spottet, bann verführt, enblich im Stich«
gelassen hatten — nicht er!
2llle @efpräd;e feine« treuen Seett
forger«, ber immer mieber in bie 3eUe
be« oerlorenen Sohne« einfeh’rte, glitten
fraftlo« an feinen tauben Ohren ab,
ja, |ie »erbitterten ihn immer mehr.
Xod) ber ©rief be« tiefgebeugten ©ater«,
ber ihn anflehte, feine« Sohne« Seele
ju reiten, trieb ben ©rebiger immer
wieber ju bem armen, irregeleiteten
Otto «Hörner. Xa trat im jmeiten
Jahre eine SEßanblung ein. Unb wer
hatte biefe ju staube gebracht? Wächst
@otte« Sarmherjigfeit eine Straften
laterne!
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ihm ba« ^terj gebrod^cn? j£)atte er bod)
gehofft, bog ihm, bem treuen ©eantten,
ber Sönnfch nicht versagt werben würbe,
feinen Sohn einst al« feinen Wachfolger
ju seh««. ®a« mar nun vorbei; aber
Otto hatte im ^uchthaufe ba« Sd)ul)=
macherhanbwerf erlernt unb hoffte, sich
bamit auch ferner fein ©rot ju verbiet
©eine Wutter hatte bie Sdjanbe
uen.
SWacht für Wacht hatte sie in feine
Belle geleuchtet, ohne bafj er etwa« ©(;
fonbere« babei gefunben.
Ta, in einer schlaflosen Wad;t, in ber
er sich raftlo« auf feinem harten Säger
umherwarf, erinnerte sie ihn plöfclid)
an ba« Sicht feine« ©aterhaufe«, be«
Seuchtturmc«.
©on jeht an war sie ihm nicht mehr
„bie Saterne", fonbern ba« Sicht, fein
Sicht, welche« ihm alle ©Borte feine«
frommen ©ater« mit hellen Schein in«
£erj juriiefrief. Ja noch mehr, in fett
nem Jjerjen Hang ber alte ©Be^na^t«
oer«:
„Ta« em’ge Sieht geht ba herein,
©ibt ber 3öelt einen neuen Schein,
<*3 leud;t’ wohl mitten in ber Wacht
Unb utt« be« Sichte« Jtinber macht.'
©ei biefe« Sid^te« Schein erlannte er
nun auch halb ba« ©Bort: „Xu bift.ber
Wann" unb gab nicht länger feinen
©efährten bie Schutb. So war ber
traurige Aufenthalt im Budt>thau« ein
Segen für ihn geworben.
AI« ihn gestern ber ©rebiger, jefct
fein treuer greunb unb Serater, entlief,
agte er: „(Sä leuchte bir auf all beinen
Sebenäwegen auch ferner ba« ewige Sicht;
grüfj mir beinen ©ater." Seiner Ab-
ich», an ihn ju schreiben unb be« Sof)
ne« ^cimfehr ju melben, hatte Otto
ich wiberfeht, er wollte uuangemelbet
heimfehrett.
AI« er nun so in ba« Sicht feine«
©aterhaufe« bliest*, erfaßte ihn eine so
starte Sehnsucht nach ber ©ergebung
feine« ©ater«, baß er aufsprang unb
fein* Schritte beschleunigte.
©3ie würbe er ihn empfangen, her
ihre« Sohne« jum @lücf nicht mehr
erlebt.
Al« Otto ba« lebte, nahe bem Seud)tt
surrn gelegene Xorf burchfchritt, sah er
in allen genftern einen hellen Schein,
war e« bod) ffieihnachtöabenb, unb ba«
ärmste £iittchen strahlte im ©lanjc
einiger Äerjen. saftig burdjfchrilt er
e«, in feinem Jnnern bie ©Borte berne--
genb:
,,Ta« ew ge Sicht geht ba herein,
Wbt ber Sielt einen neuen Schein."
Xie glömme be« Seudjtfeuer« erhellte
jebt feinen ©fab immer mef)r. enblich
war er angelangt, ber hohe £urm lac
oor ihm. Xie ©ür war nur eingeflingt;
er betrat ba« ©Bohnjimmer, eine fleine
Sampe erleuchtete c«, e« war leer.
Aufgeschlagen lagen ©ibel unb @efang=
bud). Wit leisen Schritten erstieg er
bie oielen Stufen, bi« er oben war.
Xa faß fein ©ater in ber Wähe ber
Sompeit, bie il;m wohl feine ffiinfamfeit
nicht so fühlbar machten, ba« £aupt in
ben #änben oeiborgen, burch bie mage^
rett ginger tropften bie Tränen, er war
in @ebanfen bei feinem Sohn, im
Buch»hau«.
Woch ehe er au« feinem Wölfinnen
in bie ©Birflidjfeit jurüctgetehrt war,
fniete ber Sohn an feine« ©ater« Seite,
umschlang ben Staunenben unb sprach
laut unb beutlid):
Ta« em’ge Sicht geht ba herein,
C^ibt ber Sßelt einen neuen Schein,
®« leucht’ wohl mitten in ber Wacht
Unb un« be« Sichte« f inber macht."
Xer ©ater stimmte frohlocfenb mit
ein unb umschlang feinen oerlorenen unb
wiebergefunbenen Sohn.
spielen, tfine „Wutter am ©Bogen*
ober am noch moberneren ©abpfotb miU
Xichtern unb Walern noch ««dB i« ben
©inn, unb sie werben e« wohl noch
räume Jett mit ber oerpönten ©Biege
halten.
^ gibt wohl in Wumpelfammern
unb ©obtnoerfdjlagen noch oll« ©Biegen,
vielleicht auch no«h «n ben ©auernhäu;
fern unb länblichen ©Bohnungen, aber
in ber mobernen Äinberftube ruhen bie
kleinen in ©Bogen ober im leicht trän«;
portirbaren Äorbe, wie sie bie sogenannt
te „englische ©ab9pflege" bei un« ein.
geführt hat — so lange wenigsten«, bis
e« groß genug ist, im ©ettdjen ju fehlet-
fen. ©Biegen, wie gesagt, finb au« ber
neuen Jlinberftube streng ausgeschlossen.
Xa« ©Biegen, b. h- bie Sdjaufelbewe;
gung, foü nach ben neuesten gorfAungen
nur baju bienen, bie Äinber ju betäubrn
unb bie ©ehirnfunftionen ju schäbigen.
Xslä ist gewiß möglich “'«b niAt nur
wahrscheinlich, fonbern auA erwiefeen
wenn auch nicht in allen gällen.
!>«r SdjfgÜM.
„mt ein Unecht ftd» sehnt n«A feinem
©A«tten." ^>iob 7,2.
Karbiwdgelchen statt Wiege.
Xie ©Biege ist ein überwunbener
Stanbpunft. Sie ist oerbannt au« ber
ÄÄr.'Äi.WÄ.“
Xie Orientalen messen bie Jett nach
ber Sänge ihre« Schatten«, gragt man
jemanb, wieoiel Uhr e« ist, so fteüt er
lieh sogleich in bie Sonne, hält steh
gerabe unb beobachtet, bi« ju welker
Stelle fuh fein Schatten erftreeft; bann
mißt er mit feinen güßen bie Sänge be«
»Haumeö, bie berfelbe einnimmt unb
wirb baburch in bett Stanb gefeit, bie
Stunbe mit ziemlicher ©enauigfeit ju
bestimmen. Auch wünschen bie Arbeiter
lebhaft bie Sänge be« Schatten« anfom.
men ju sehen, bie ben Augenblicf an.
jeigt, wo sie bie Arbeit »erlassen sönnen
Xaßer sagt ein ©ienfeh, ber mübe ist*:
„©Bie lange e« bauert, ehe mein Schatten
fommt!" ©Benn man einen fragt, ma.
rum er nicht früher gefommen ist,
antwortet er: „©Beil i<h auf mti„e„~
Schatten wartete!" So steht schon in
ber «ibel (£iob 7,2): „©Sie ein Änecht
steh f«^nt nach feinem Schatten, unb ein
Tagelöhner, baß feine Arbeit au« f*i.«
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Schellenberg, Abraham L. Zions--Bote. (Medford, Okla.), Vol. 22, No. 50, Ed. 1 Wednesday, December 19, 1906, newspaper, December 19, 1906; (https://gateway.okhistory.org/ark:/67531/metadc943841/m1/6/?q=%201906: accessed May 12, 2026), The Gateway to Oklahoma History, https://gateway.okhistory.org; crediting Oklahoma Historical Society.